Grußwort des Hessischen Ministerpräsidenten

Die jüdische Gemeinde Gießen ist wie die Gemeinden in den anderen hessischen Städten Teil unserer Gesellschaft. Ihre gelebte Religion und Kultur, ihr Engagement, ihre Aktivitäten wirken über die Gemeinden hinaus. Darüber freuen wir uns und dafür sind wir dankbar.
Jüdisches Leben blickt in Deutschland auf eine 1.700 Jahre alte Geschichte zurück. Die jüdische Religion und Kultur war, ist und bleibt ein integraler Teil des geistigen und sozialen Lebens in Deutschland. Millionen Menschen jüdischen Glaubens wurden im 20. Jahrhundert in Deutschland und in den von Deutschland während des Zweiten Weltkriegs besetzten Staaten entrechtet, verfolgt und ermordet. Die Erinnerung an dieses in der Geschichte der Menschheit beispiellose Verbrechen zu bewahren, bleibt eine Pflicht Deutschlands. Gleichzeitig bleibt es unsere Pflicht, jüdisches Leben zu schützen und uns engagiert gegen Antisemitismus zu stellen.
Die Hessische Landesregierung steht an der Seite der jüdischen Gemeinde Gießen und an der Seite aller jüdischen Gemeinden in Hessen.
Volker Bouffier | Hessischer Ministerpräsident
Grußwort des Gießener Oberbürgermeisters

Als die jüdische Gemeinde 1995 ihre Synagoge zusammen mit dem neuen Gemeindezentrum einweihte, war das für mich ein Moment großer Freude. Vor dem Hintergrund der furchtbaren Geschichte erfüllt es mich bis heute mit Demut und Dankbarkeit. So viel Gutes und Zukunftweisendes hat sich daraus entwickeln können. Wir sind dort Gäste bei den jüdischen Festen, die jüdische Gemeinde ist zu einem selbstverständliche Teil der Stadtgesellschaft geworden und aus unserer Mitte nicht mehr wegzudenken. Sie ist in Gießen wichtiger Akteur im Gespräch der Religionen. Man besucht sich gegenseitig und übernimmt für das Wohl der Stadt und den Frieden gemeinsam Verantwortung. Diese Kostbarkeit gilt es zu pflegen und gleichzeitig die mahnende Erinnerung an die Shoa wach zu halten. Dafür will ich mich persönlich und wird sich die Universitätsstadt Gießen weiterhin einsetzen. Und ich bin dankbar, dass sich der „Freundeskreis der jüdischen Gemeinde Gießen“ dieser wichtigen Aufgabe annimmt.
Frank-Tilo Becher | Oberbürgermeister der Stadt Gießen
Grußwort der Leiterin des Oberhessischen Museums

Jüdisches Leben ist zentraler Bestandteil von Gießen und seiner jahrhundertelangen Kulturgeschichte. Gemeinsame Erinnerungen, wertvolle Traditionen und lebendiges Kulturleben gehören zur jüdischen Kultur in Gießen heute. Die Vorhaben des „Freundeskreis der jüdischen Gemeinde Gießen“ sind ein Baustein, um kulturelle Akteure zusammen zu bringen und die Vielfalt jüdischer Kultur in Gegenwart und Zukunft noch sichtbarer zu machen.
Auch im Museum soll jüdisches Leben in Gießen zukünftig lebendig vermittelt werden – in der neuen Dauerausstellung ab 2025.
Auf die kreative Zusammenarbeit freue ich mich persönlich sehr.
Dr. Katharina Weick-Joch
Grußwort von Prof. Dr. Sascha Feuchert

Jüdisches Leben war selbstverständlich in unserer Stadt, bis die Nationalsozialisten es brutal beendeten, indem sie die Synagogen zerstörten, unsere jüdischen Mitbürger vertrieben oder ermordeten.
Seit 1978 gibt es endlich wieder eine jüdische Gemeinde in Gießen: Seitdem bereichert sie unseren Alltag, ist gewachsen und zum Glück nicht mehr wegzudenken.
Ich bin überaus dankbar dafür und freue mich deshalb sehr, dass es mit dem Freundeskreis nun eine Institution gibt, mit der ich die lebendige Gegenwart und Tradition der jüdischen Gemeinde unterstützen kann.
Prof. Sascha Feuchert ist Professor für neuere deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Grußwort von Pfarrerin Carolin Kalbhenn

Was für ein Segen, dass es in Gießen seit mehr als vierzig Jahren wieder eine Synagoge und lebendiges jüdisches Leben gibt. Dass es Möglichkeiten gibt, sich zu begegnen, gemeinsam zu feiern, voneinander zu lernen und sich gemeinsam den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen.
Als Pfarrerin ist mir die Vielfalt der Glaubensweisen und die Pluralität von Perspektiven auf Gott und die Welt wichtig. Das Judentum nimmt dabei eine besondere Rolle ein: wir kommen aus der gleichen Wurzel. Nie mehr soll das vergessen werden.
Darum beteilige ich mich im Freundeskreis der Jüdische Gemeinde, der dazu beitragen will, dass jüdisches Leben in unserer Stadt, jüdische Stimmen und Tradition im Miteinander der Religionen selbstverständlich dazu gehören.
Carolin Kalbhenn ist Pfarrerin der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Gießen Nord